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Presseartikel
Der Wiedergabe der Pressekritiken und Fotos erfolgt mit den freundlichen Genehmigungen der Grafschafter Nachrichten und von Gerold Meppelink sowie Klaus Mosch - Wicke.

GN25.09.2017

Gerald Geering
&
Armanda ten Brink









von Marcus Pfeifer
(Foto Privat)

Glanzvolle Liedermatinee mit Gerald Geerink und Armanda ten Brink


Neuenhaus, den 24.9.2017 Mit einem bunten Strauß an Liedern überwiegend aus der Zeit der Romantik wartete Gerald Geerink, aus der Niedergrafschaft stammender Absolvent der renommierten Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin, am vergangenen Sonntagmorgen im Trauzimmer des Alten Rathauses in Neuenhaus auf. Am Klavier begleitet wurde er bei dieser Veranstaltung des Neuenhauser Kulturpasses von Armanda ten Brink, wohlbekannt als langjährige Dozentin an der Musikschule Niedergrafschaft. Geerink, der schon in jungen Jahren von Amanda ten Brink gefördert wurde und bereits während seiner Schulzeit erfolgreich als musikalischer Interpret auftrat, beeindruckte sein Publikum im nahezu voll besetzten Saal mit seiner mittlerweile weiter gereiften, professionell geschulten Stimme. Nutznießer der Veranstaltung war wohl fast gleichermaßen das um die Mittagszeit zur Stimmabgabe im Erdgeschoss
Die Liedauswahl vermittelte einen gelungenen Einblick in die Gesangskultur des 19. Jahrhunderts, überwiegend anhand von Kompositionen von Robert Schumann und Franz Schubert. Los ging es mit einigen Schmann’schen Liedkreisen, gruppenweise vertonten Gedichten etwa aus Heinrich Heines „Buch der Lieder“. Überschwänglich das Liebesglück, die Liebsehnsucht, das Liebesleid, von dem Geerink mit Heines Worten in dramatischen Tönen singt. Es folgt ein Spiel mit romantischen Motiven wie etwa der Waldeinsamkeit in den Liedern von der Fremde. Der erste Teil des Liedvortrags schließt mit zwei Vertonungen aus der Feder Joseph Freiherr von Eichendorffs, in denen einmal die Atmosphäre des Mittelalters beschworen und einmal ein bedrohliches, geradezu schauderhaftes Bild vom Zwielicht gezeichnet wird, einer Zeit, in der sogar dem besten Freunde nicht zu trauen sei, der dann nämlich dazu neige, auf Krieg „im tückschen Frieden“ zu sinnen.
erscheinende Wahlvolk.

Im Anschluss werden eher heiterere, lebensbejahende Töne angeschlagen. So entpuppt sich das Schubertsche Lied vom Einsamen vielleicht entgegen der sich aus dem Titel ergebenden Erwartungshaltung als eher fröhlich, denn der sitze „mit vergnügtem Sinn“ des Nachts „am spät erwärmtem Herd“, so reimte Karl Gottlieb Lappe. Auch vom heldenhaft mit männlicher Brust dem Sturme trotzenden Schiffer wird gekündet. Grotesk bis zur Komik gesteigert werden Verlangen und Verlustangst in Gustav Mahlers Kompositionen zu Gedichten aus des „Knaben Wunderhorn“. Zum Abschluss werden Lieder mit zweien der bekanntesten Verse des 19. Jahrhunderts eindrucksvoll musikalisch dargeboten: „Es war als hätt’der Himmel die Erde still geküsst“ – in Eichendorffs „Mondnacht“ – und „Über allen Wipfeln ist Ruh“ in „Des Wandrers Nachtlied“ von Goethe. Geerink artikuliert jeden Liedvortrag – übrigens oft mit viel rollendem „R“ – brillant pointiert bis in die letzte Silbe, ja in den letzten Laut, so dass die Intonation so manchen Wortes wie ein kleines Gesangsstück für sich empfunden werden kann. In stets stimmiger Weise, mal zurückhaltend, mal dramatisch begleitete Armanda ten Brink ihren einstigen, nun flügge gewordenen Schützling. In den Vordergrund rückte ten Brink indessen selbst bei zwei Klaviersolostücken, einer meditativ verträumten Nocturne von Chopin und der wunderbar andachtsvollen, hinreißend mit so vielen Klangfarben und Nuancen schillernden Consolation von Franz Liszt, die ten Brink sehr gelungen auf äußerst bedächtige und dennoch deutlich pointierte Weise vortrug.

Als Zugabe wurde dann ein Schubertlied noch einmal angestimmt, das gut und germe als Quintessenz der Matinee gelten darf, nämlich dessen Hymne „An die Musik“, die den wahren Musikliebhaber immer wieder erfolgreich in eine bessere Welt entführe.