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Presseartikel
Der Wiedergabe der Pressekritiken und Fotos erfolgt mit den freundlichen Genehmigungen der Grafschafter Nachrichten und von Gerold Meppelink sowie Klaus Mosch - Wicke.

GN 15.05. 2017

Umjubelter Abend mit Kabarettist Thomas Philipzen

Von Jörg Leune


Fotos:
Meppeling

und
Mosch - Wicke

Der Kabarettist Thomas Philipzen ist am Freitagabend im voll besetzen Forum des Lise-Meitner-Gymnasiums Neuenhaus aufgetreten. Dort bot er über zwei Stunden eine äußerst rasante Show.

Neuenhaus. Diesen tollen Auftritt Thomas Philipzens mit seinem Soloprogramm „Best of“ beim Kulturpass Neuenhaus darf man getrost als Gesamtkunstwerk bezeichnen. Andere Kabarettisten stehen wie Redner vor dem Publikum oder sitzen gar im Ohrensessel. Philipzen aber springt am Freitagabend auf die Bühne, kaum dass die Kulturpass-Vorsitzende Claudia Lübbermann ihre Begrüßungsworte gesprochen hat. Und von da an ist die Bühne für mehr als zwei Stunden ein von Rasanz erfüllter Aktionsraum, in dem kein Quadratmeter ungenutzt bleibt.

Ständig ist der Mann im Forum des Lise-Meitner-Gymnasiums in Bewegung, hüpft ans Klavier oder schnappt sich seine Mini-Gitarre, rückt den Holzkistensitz hin und her, springt sogar von der Bühne hinunter zu den Zuschauern und bezieht sie ein. Und ist mit einem Satz – schließlich war er einst Sportstudent – wieder oben auf den Brettern. Aber nicht nur sein Körper ist ständig in Bewegung. Wenn er einmal stillsteht, ist das nur sorgfältig gebremste Bewegung. Genauso verändert er pausenlos seine Mimik. Und vor allem verändert er unentwegt seine Sprechweise. Natürlich ist er Westfale, aber das Rheinische kommt ihm ebenso glatt von den Lippen. Und wenn er so gekonnt den zwischen Sitzplatz und Seitenlinie pendelnden Dressman und Fußballtitan Jogi Löw persifliert, dann nimmt man ihm sogar das Badische als authentisch ab. Die umjubelte Spitzenleistung an gespielter Mimesis war sein Auftritt als spirituell erfolgreiche, aber sportlich gescheiterte chinesische Gewichtheberin in der nächtlichen Übertragung von den Olympischen Spielen.

Diagnose der Gegenwart Jedes Kabarett übt natürlich politische Kritik. Auch Philipzen bringt Aktuelles. Aber er reißt politische Themen nur kurz an. Natürlich bekommt Trump etwas ab, natürlich die AfD. Und auch die NRW-Wahl und die Auseinandersetzung mit von der Leyens Bundeswehr-Problemen erhalten ihren Platz. Alle diese Themen werden immer nur kurz angerissen, ebenso kurz übrigens wie die Lieder mit Klavier- oder Gitarrenbegleitung. Immer wieder ist Philipzen schon auf dem Weg zur nächsten Pointe. Und zugespitzte Formulierungen hagelt es während des ganzen Abends. Man kann die Lachtränen gar nicht schnell genug auswischen. Gleich nach der Begrüßung geht es los: Gerade habe er in der Zeitung gelesen: Auf die Frage, wer die Fußball-Champions-League gewinnen werde – Juve oder Real – hätten zwei Drittel der Befragten geantwortet „Ja“.

Leitmotiv des Abends ist die Diagnose der Gegenwart. Digitalisierung, Ernährungswahn, Helikopter-Eltern sind seine Themen. Und Philipzens Pointen erhalten ihre besondere Schärfe auf dem Hintergrund seiner eigenen Lebenserfahrung. Die Herkunft aus dem katholischen Ostwestfalen prägt ihn durchaus. Und man erlebt als älterer Besucher fast hautnah die vermeintlich gute alte Zeit mit, wenn er schildert, wie am Samstagabend nach dem Bad im immer gleichen Badewannenwasser die Familie samt „Omma“ sich ums Fernsehlagerfeuer versammelt, um die Sportschau mit Ernst Huberty und danach „Stars in der Manege“ anzusehen. Alle sechs Kinder in einem (!) Bademantel auf der Couch sitzend. Das Kreuz mit der Zugabe

Oder die Erinnerung an die Bundesjugendspiele, dieses Fest persönlichen Scheiterns, deren Abschaffung heute doch tatsächlich gefordert wird. Und keiner protestiert gegen das Scheitern in Mathematik! Bei allen seinen vielfältigen Themen zeigt sich Thomas Philipzen nicht nur als Meister der Körperbeherrschung, sondern auch als Meister der Sprache.
Und am Schluss nach dem tosenden Beifall in der voll besetzten Aula dann die herrliche Auseinandersetzung mit der durch rhythmisches Klatschen geforderten Zugabe. Da habe man als Künstler mühsam sein Programm aufgebaut, es in einem (in Wirklichkeit recht wenig bewegenden) Schlusslied am Klavier gipfeln lassen, und dann fordere das Publikum Zugaben. Da hilft nichts als ein resigniert wirkendes Schluss-Statement, in dem die ganze Problematik eines solchen Show-Rituals mit kargen Worten wunderbar ad absurdum geführt wird.

Ein meisterhafter und unvergesslicher Auftritt eines großen Kabarettisten!

Fotos Meppeling










Foto Mosch - Wicke