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Presseartikel
Der Wiedergabe der Pressekritiken und Fotos erfolgt mit den freundlichen Genehmigungen der Grafschafter Nachrichten und von Gerold Meppelink sowie Klaus Mosch - Wicke.

GN vom 13.02.2018

Große musikalische Kunst aus der Region


Der Titel „Jazznight“ traf nicht so ganz zu; aber einen fulminanten Auftakt für das Kulturpass-Jahr 2018 bot der Sonntagabend in jedem Fall. Im voll besetzten Forum traten zwei Ensembles auf, die sich erst in den vergangenen drei Jahren formiert haben.

von Jörg Leune
Neuenhaus. Den ersten Teil des Abends gestaltete das Schellack-Sextett mit Heinz-Josef Bausen am Klavier, Klaus Hölscher (Schlagzeug), Dieter Linnenbaum (Kontrabass), Jürgen Huth (Gitarre), Sabine Kluge (Geige) und Tobias Klomp (Gesang und Conférence). Ehe auf Einzelheiten einzugehen ist, vorab die Feststellung, dass der größte Schatz des Ensembles Bausens wunderbare Arrangements sind. Sein Klavier dominiert jedes Lied, besonders fein abgestimmt sind dazu die Rhythmusinstrumente, die dezent eingesetzte Bassbegleitung, das zurückgenommene Schlagzeug und die subtile Führung der Gitarre. Kluges Geigenspiel fügt sich schön in den Gesamtklang ein, ist gleichermaßen zurückhaltend und sticht doch immer wieder durch gekonnte Virtuosität hervor.


Neben ihm brillierte aber auch Sabine Kluge als kundige Duett-Sängerin, etwa bei „Somewhere over the Rainbow“ und „Ich tanze mit dir in den Himmel hinein“, wo sie die gebremste Erotik gekonnt parodierte. Aber auch Jürgen Huth hatte mit Fritz Rotters „Was macht der Meyer am Himalaya?“ in der typischen musikalischen Comic/Slapstick-Art der Goldenen Zwanziger einen gelungenen Gesangsauftritt. Heinz-Josef-Bausen komplettierte die Gesangspartien des Sextetts mit einer schön distanzierten Wiedergabe von „Im Café de la Paix in Paris“. Klomp hatte das Publikum zum Mitsingen bekannter Melodien aufgefordert. Das klappte eigentlich nur beim „Kleinen grünen Kaktus“. Offensichtlich war die Scheu zu groß, die gelungenen Arrangements des Sextetts zu stören. Auftritt der Berrytones Der größere Teil des Abends gehörte dann den „Berrytones“. Andrew Berryman hat hier einen wirklich eindrucksvollen Klangkörper geformt. Nach der Erkennungs-Fanfare aus „Also sprach Zarathustra“ wechselte die Band bruchlos über zu „Things ain’t what they used to be“ und führte dabei ihren typischen Sound gekonnt vor. Markenzeichen der Berrytones ist die klangliche Dominanz der Brass Section (vier Trompeten, fünf Posaunen) gegenüber dem fünfstimmigen Saxophon-Satz. Neben Klavier, Bass und Gitarre sind zwei Perkussionisten für den meisterhaft gestalteten Rhythmus zuständig. Berryman führte auf charmante Weise mit typisch englischem Humor durchs Programm. Die Arrangements bezogen sich diesmal fast ausschließlich auf zeitgenössische Titel, weniger auf die Big-Band-Tradition von Ellington und Basie. Immer wieder zeichneten sich Band-Mitglieder durch gelungene Soli aus, denen stets fachkundig applaudiert wurde. Wenn der Eindruck nicht täuscht, wirkten auch hier die Soli der Blechbläser und Rhythmiker engagierter als die der Saxophonisten. Eine besondere Note erhielt der Auftritt der Bigband durch die Gesangsbeiträge. Chananja Schulz war zwar nicht ganz im Vollbesitz ihrer stimmlichen Qualität. Doch tat das kaum ihrem Können und schon gar nicht ihrer Performance irgendeinen Abbruch. Mit „Georgia on my Mind“ und vor allem Amy Winehouses „Back to Black“ zog die Sängerin alle Register ihrer Ausdruckskraft und Gestaltungskunst und harmonierte wunderbar mit dem Orchester. Als zweiter Gast der Berrytones trat der junge Stefan Paßerschroer aus dem Münsterland an die Rampe. Nicht nur sein Outfit erinnerte an Frank Sinatra, sondern besonders seine ausgesprochen flexible und ausdrucksvolle Stimme. Zugleich aber gelang es ihm, das leicht Ölige der Stimme Sinatras stilgerecht zu kopieren. Als Vorgeschmack auf das Sinatra-Konzert der Berrytones am Sonntag, 6. Mai, im Konzert- und Theatersaal in Nordhorn gestaltete er drei Hits des Sängers „Come fly with me“, „New York, New York“ und „My Way“. Es war schon nach 23 Uhr, als Berryman zum Bedauern des Publikums das Zeichen zum Einpacken und Abbauen gab. „Es fahren schon längst keine Busse mehr und Taxis gibt es auch nicht“ hatte er den Zuhörern zugerufen. Die zeigten sich zwar scheinbar enttäuscht, waren aber vom Auftaktkonzert des Kulturpasses rundum begeistert.